So jetzt habe ich es doch tatsächlich geschafft ganze 8 Monate nix zu schreiben. Für ein Blog der sich neuen Trends gewidmet hat eine lange Zeit. Nun ich kann ja immer noch sehen das es etliche Leser gibt die meine Beiträge aboniert haben. Wieso so lang eine Pause eingelegt? Also kurz und knapp: man hat mir höflich nahe gelegt nicht mehr zu bloggen, da das Thema zu nah in meinem Arbeitsbereich liegt. Für manche Unternehmer ein Supergau, wenn der Mitarbeiter auch noch über seine Arbeit bloggt. Ich meine allerdings es gab auch vor den Blogs Medien für Informationsaustausch, damals nutze man meinetwegen Fachforen, geschlossene Newsgroups oder Mailinglisten. Die Sache an dem Informationsaustausch ist ja nicht neu, nur die Art und Weise hat sich vielleicht geändert.
Unternehmen von heute stehen vor einer großen Herausforderung sich der Thematik der bloggenden Mitarbeiter anzunehmen, schliesslich wird quer durch alle Abteilungen gebloggt. Das ist ja kein neues Phänomen was da statt findet. Ein Informationsaustausch muss ja stattfinden um neue Impulse mit einzubringen oder wie schafft man ohne Einfluss von aussen neue Anreize und Ideen miteinzubringen? Woher wissen wir, dass das Wissen im Unternehmen die richtige Form ist mit der wir uns auseinander setzen? Wenn kein Input von aussen kommt, ist das nicht ein Zeichen der Überheblichkeit mit der man seine Arbeit verrichtet. Früher hat man sich auf Messen getroffen, hat Visitenkarten ausgetauscht, heute vernetzen wir uns über Xing, LinkedIn und Facebook und tauschen in Fachforen Wissen miteinander aus. Mir fällt in diesem Zusammenhang immer wieder Cluetrain ein, ein Manifest, vor allem was die heutige Zeit angeht in dem Märkte, Menschen und Unternehmen miteinander agieren. Darin gibt es eine sehr schöne Passage die auf diesen Missstand aufmerksam macht.
Angestellte beginnen jedoch sich zu verbinden so wie die Märkte es tun. Unternehmen müssen beiden aufmerksam zuhören. Vor allen Dingen müssen sie sich zurücknehmen, damit intravernetzte Angestellte direkt mit intervernetztem Märkten kommunizieren können.
Unternehmens Firewalls haben intelligente Angestellte drinnen gehalten und intelligente Märkte draußen. Es wird ordentlich Schmerz verursachen diese Mauern niederzureißen. Und es wird das aufregendste Gespräch sein, an welchem die Geschäftswelt jemals teilgenommen hat.
Einen sehr schönen Schritt macht IBM in seinen Blogrichtlinien, mittlerweile wurde diese auch um die Bereiche Wikis & SocialNetworks erweitert, darin werden die Mitarbeiter ermuntert sogar zu bloggen. Sie werden aufgefordert sich zu bekennen und nicht unter einem Pseudonym zu veröffentlichen, sowie man das eben auch aus der Offlinewelt gegenüber Kunden, Lieferanten und anderen Unternehmern kennt. Wenn eine Veröffentlichung stattfindet, dann wird dies in der ersten Person geschrieben. Man schreibt im eigenen Namen und nicht im Namen für IBM. Diese Stimme soll authentisch und echt sein, wie eines von vielen Thesen von Cluetrain:
# Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden mit einer menschlichen Stimme geführt.
# Ob zum Austausch von Information, Meinungen, Perspektiven, Standpunkten oder Anekdoten, die Stimme des Menschen ist offen, natürlich und ehrlich.
# Menschen erkennen einander am Klang ihrer Stimme.
Um einen anderen Aspekt aufzugreifen, welche die meisten Unternehmer immer wieder bringen ist das Thema “Schaden” und nicht “Kontrollierbarkeit”. Wir reden hier nicht von Corporate Blogs sondern von Blogs die privat von Mitarbeitern geführt werden. Wenn ein Mitarbeiter seinem Unternehmen schaden zufügen will kann er das bequem auf anonyme Art und Weise betreiben und nicht von seinem privaten Blog aus. Der Mitarbeiter macht nichts anderes wie PR für dieses Unternehmen. Ein Unternehmen ist kein starres Gefüge, es besteht aus Mitarbeitern die mit der Aussenwelt tagtäglich kommunzieren. Der Gedanke dabei internas könnten abhanden kommen und an Aussenstehende gelangen ist unbegründet, weil kein Mitarbeiter böswillig dem eigenen Unternehmen schaden will. Für manch eine Firma wäre es zumindestens jetzt mal an der Zeit sich Gedanken über bloggende Mitarbeiter zu machen und eine unternehmensweite Blogrichtlinie zu verfassen. Schliesslich kommunziert ein Unternehmen nicht “nur” mit einer einzigen Stimme nach aussen. Einen schönen Beitrag gibt es von PR Prof. Pleil, er ermutigt sogar die Unternehmen dazu diesen Prozess als Gewinn zu sehen und ermuntert diese zu fördern. Aus dieser Sicht spricht auch nichts dagegen über Themen zu schreiben die in meinem Arbeitsbereich liegen und Wissen mit anderen Mitarbeitern auszutauschen. Natürlich immer mit einem Filter dazwischen und so neutral wie möglich ohne konkrete Zahlen, meinetwegen mit fiktiven Beispielen um einen Beitrag anschaulich zu gestalten.
Corporate Blogs
Es gibt Beispiele von Unternehmen die damit angefangen haben, darunter namhafte Firmen wie z.B. Daimler, BMW, SAP oder Lebensmittelhersteller wie Frosta & Sparmarkt. Genauso offen präsentieren sich Firmen aus der Nachära des NewEconomy wie Sevenload Gründer Ibrahim Evsan, Hitflip oder gar Amazon mit Ihrem Partnerprogramm Blog, die Sie für die Affiliates Partnerbetreuung nutzen. Es gibt noch etliche Firmen die das machen. Der direkte Draht zum Kunden, ob für den Einsatz für Neukundengewinnung, Bestandskunden-Marketing oder als PR Instrument, Blogs sind heutzutage einfach nicht mehr wegzudenken.
Vorteile für das Unternehmen
- projekt- und themenbezogen den Know-how-Transfer zu erleichtern (Wissensspeicher)
- Vernetzung der Mitarbeiter und Förderung der Kommunikationskultur
- Höhere Identifikation der Mitarbeiter (Wir-Gefühl)
- Vergleichbarkeit von Prozessen (Wie gehen andere damit um)
- Transparenz und Authentizität (Paradebeispiel Neu Relaunch von Sevenload )
- Besser informiert und organisiert
- Image des Unternehmens wird gefördert (Employer Branding)
Nachteile für das Unternehmen
- Angst vor Veröffentlichung von Internas
- Imageschaden und keine Kontrollierbarkeit (Vertrauen?)
- Aufdeckung von Missständen (vgl. Whistleblower)
- Verbreiten von unternehmensschädlicher Meinungsäußerungen
Fazit
Okay die Überschrift passt nicht 100%, aber Ihr wisst was ich damit meine. Das beste wäre eine Vorsorge in Form von Blogrichtlinien mit klaren Grenzen. Präventiv diese sogar im Arbeitsvertrag festzuhalten das Mitarbeiter nicht bloggen dürfen bzw. wie Sie zu bloggen haben. Damit könnte man von vornherein Komplikationen vermeiden. Letztendlich muss das Unternehmen begreifen das Kommunikation schon immer stattgefunden hat, damals eben auf dem Flur oder auf der Messe und heute über die neuen Medien. Eine große Firma die meinetwegen in der Internetbranche arbeitet kann sich so einem Thema nicht entziehen, ansonsten macht es sich einfach Unglaubwürdig und es fehlt an Authentizitität. Das ist m.E. ein Puzzlestück im Gesamten Konzept eines neuen Unternehmensleitbilds, und wenn eines davon nicht stimmt dann dürfen sich die Unternehmer nicht wundern wenn Wissen einfach abwandert!